Ratgeber: Was ist ein Fernstudium?

Heutzutage gibt es viele Gründe, ein Präsenzstudium nicht anzutreten. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Beruf oder die Elternschaft das Vollzeitstudium mit Präsenzzeiten nicht möglich macht. Es kann aber auch sein, dass der gewünschte Studiengang in der näheren Umgebung nicht verfügbar und ein Umzug nicht möglich ist. All diese Gründe könnten der Auslöser dafür sein, warum sich Studieninteressentinnen und -interessenten für ein Studium aus der Ferne entscheiden. Wir erklären Ihnen in diesem Ratgeber unter anderem, was ein Fernstudium ist, wie es abläuft und für wen es sich eignet.

Wie läuft ein Fernstudium berufsbegleitend ab?

Ein berufsbegleitendes Fernstudium läuft in Teilzeit neben dem Job. Studierende lernen in Eigenregie neben dem Beruf und nutzen hierfür zum Beispiel einen Teil ihrer Freizeit.

Auf der Website der Fernstudienanbieter können sich die Interessentinnen und Interessenten informieren, zum Beispiel über das Studienangebot und die Kosten. Sind noch Fragen offen, hilft die Studienberatung weiter, die unter anderem telefonisch erreichbar ist. Entscheidet sich eine angehende Studentin beziehungsweise ein angehender Student für das Fernstudium, müssen diese den Online-Antrag ausdrucken und unterschreiben. Gemeinsam mit den entsprechenden Nachweisen, zum Beispiel über die beruflichen Kenntnisse und das aktuelle Arbeitsverhältnis sowie dem Nachweis der Krankenversicherung, senden die künftigen Studierenden den Antrag per Post an die Fernuniversität.

Danach erhalten die Studentinnen und Studenten ihren Studienausweis sowie die Zugangsdaten postalisch zugesandt. Mit diesen können sie sich online in das Portal einloggen und auf die Übungen, das Forum und ihre Lehrmaterialien zugreifen. Zusätzlich dazu erhalten die Studierenden ebenfalls per Post Hefte mit Übungsaufgaben und Klausurvorbereitungen. Sie lernen dann in freier Zeiteinteilung und können sich bei Fragen direkt an die jeweilige Professorin beziehungsweise den jeweiligen Professor wenden. Dank des Online-Portals sind auch Kontakte zu den Kommilitoninnen und Kommilitonen möglich.

Einige Aufgaben müssen die Studierenden bis zu einer bestimmten Deadline einreichen, andere Prüfungen legen sie vor Ort in einem der Prüfungszentren ab. Einige Fernhochschulen sehen für die Studentinnen und Studenten zudem Präsenzzeiten vor, die in den Zentren stattfinden. Vor allem, wenn es sich um ein akademisches Studium handelt, sind in der Regel Präsenzzeiten erforderlich. Studierende sollten sich deshalb im Vorfeld genauestens damit vertraut machen, wo sich die Prüfungszentren befinden und ob ihr Studiengang Präsenzzeiten erfordert. Ist das der Fall, müssen Studierende Prüfungen vor Ort schreiben. Einige Fernhochschulen ermöglichen zudem Präsenzstunden auf freiwilliger Basis, was vor allem Berufstätigen zugutekommt.

Die einzige staatliche Fernhochschule in Deutschland, die Fernuniversität Hagen, hat feste Einschreibungszeiten und orientiert sich dabei am klassischen Semesterrhythmus der Präsenzhochschulen. Bei vielen privaten Fernstudienanbietern ist das anders. Hier ist meist jederzeit eine Einschreibung möglich, sodass die Studierenden ihr Semester individuell planen können. Das ermöglicht mehr Flexibilität beim Studieren neben dem Beruf, der Familie oder anderen Aufgaben. Folgen die Fernhochschulen einem Semesterrhythmus, können sich Interessentinnen und Interessenten nämlich nur zweimal im Jahr einschreiben, so wie es an den Präsenzhochschulen der Fall ist. Eine Einschreibung ist dann regulär im Frühjahr und im Herbst vorgesehen.

Prüfungen und Tests sind wichtig, um zum Studienende hin die Abschlussarbeit zu schreiben. Erst wenn die Studentinnen und Studenten bestimmte Module bestanden haben, dürfen sie das nächste Modul absolvieren. Am Ende des Fernstudiums fertigen die Studierenden ihre wissenschaftliche Arbeit, also beispielsweise die Bachelor- oder Masterarbeit, an. Diese unterscheidet sich nicht vom Umfang und dem Aufbau einer Abschlussarbeit an einer anderen Universität mit Präsenzphasen in Vollzeit. Die Bachelor- oder Masterarbeit legen die angehenden Akademikerinnen und Akademiker dann bei der zuständigen Professorin beziehungsweise dem zuständigen Professor ab. Diese benoten die Arbeit und im Idealfall erhalten die Studierenden im Anschluss ihren akademischen Grad, also beispielsweise ihren Bachelor- oder Masterabschluss.

Dauer eines Fernstudiums

Ein Vollzeitfernstudium dauert in der Regel sechs Semester im Bachelorstudium oder vier Semester im Masterstudium. Wer sich für einen Bachelor in Teilzeit entscheidet, muss mit zwölf Semestern rechnen, ein Masterstudium in Teilzeit dauert hingegen acht Semester. Je nach Zeitplan sind Abweichungen möglich, zum Beispiel, wenn die Studierenden ihr Studium berufsbedingt verlängern.

Pro Woche müssen die Studentinnen und Studenten mit einem Arbeitsaufwand von rund 40 Zeitstunden bei einem Vollzeitstudium rechnen. Im Teilzeitstudium beträgt der wöchentliche Arbeitsaufwand immerhin noch 25 Zeitstunden.

Erfahrungen: Für wen ist ein Fernstudium geeignet?

Ein Fernstudium erfordert besonders viel Eigendisziplin und Selbstmotivation, da sich die Studierenden die Lernziele weitestgehend frei einteilen können. Studieninteressentinnen und -interessenten sollten sich deshalb selbst zum Lernen motivieren können und müssen diese Disziplin auch über die gesamte Studiendauer durchhalten. Personen, die sich schnell ablenken lassen oder ihre Hobbys dem Lernen vorziehen würden, sollten sich fragen, ob das Fernstudium die richtige Wahl darstellt.

Das Fernstudium ist keineswegs einfacher oder bequemer, weil die Lernzeiten zuhause beziehungsweise weitestgehend ortsunabhängig stattfinden. Ganz im Gegenteil: Es ist deshalb oft schwieriger, weil keine Mitstudierenden vor Ort sind und auch keine Lehrkraft, welche die Studentin oder den Studenten zum Lernen ermuntert. Wer standortunabhängig studieren möchte oder berufsbedingt keine andere Wahl hat, sollte vorab genau prüfen, ob er oder sie genügend Eigenverantwortung beim Lernen mitbringt.

Eine weitere wesentliche Eigenschaft, die Studierende aufweisen sollten, ist ein gutes Gespür fürs Zeitmanagement. In der Regel verläuft das Fernstudium nämlich nicht nach einem strikten Zeitplan, weshalb sich die Fernstudentinnen und -studenten gut selbst organisieren können sollten. Hier lohnt sich der Blick auf das Lernpensum in der Vergangenheit. Anhand dessen können Studieninteressentinnen und -interessenten erste Schlüsse ziehen, ob das Fernstudium die richtige Wahl ist.

Hinzu kommt, dass sich das Fernstudium insbesondere für all jene eignet, die in ihrer näheren Umgebung keine Präsenzhochschule haben und nicht umziehen möchten oder können. Auch für Berufstätige, Personen in Elternzeit, für Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung kann ein Fernstudium besser geeignet sein.

Fernstudium-Kosten und kostenlose Fernstudien

Die Kosten für ein Fernstudium können ganz unterschiedlich ausfallen. In der Regel ist das Fernstudium an einer privaten Hochschule deutlich teurer als an einer staatlichen. Die einzige staatliche Fernhochschule in Deutschland, die Fernuniversität Hagen, bietet deshalb Bachelorstudiengänge für rund 1.800 Euro an, einen Masterstudiengang für etwa 1.200 Euro. An privaten Fernhochschulen kann dieser Betrag auf über 10.000 Euro ansteigen, was natürlich auch vom Studienabschluss abhängt.

Neben den Studiengebühren müssen die Studierenden zudem mit etwaigen Anfahrts- und Übernachtungskosten rechnen, wenn sich das Prüfungszentrum nicht in der Nähe befindet. Auf den Online-Portalen bieten sich zwar häufig Mitfahrgelegenheiten an, trotzdem ist die Mitfahrt nicht sichergestellt und die Kosten für die Übernachtung werden nicht von den Fernhochschulen übernommen.

Alle Studienkosten können die Studierenden jedoch von der Steuer geltend machen. Handelt es sich bei dem Fernstudium um die erste Berufsausbildung, dann können Studierende dies als Sonderausgaben verbuchen. Ist das Studium bereits eine zweite Ausbildung beziehungsweise eine berufliche Weiterbildung, dann können die Studentinnen und Studenten dies als Werbungskosten absetzen.

Kostenlose Fernstudiengänge, mit denen die Studierenden einen akademischen Grad erwerben, gibt es in Deutschland bislang nicht. Eine Möglichkeit zum kostenlosen Lernen bietet lediglich die Methode „Massive Open Online Course“ (MOOC) an. Diese Fernlehrgänge finden online statt und sind vielfach gratis. Dafür gibt es allerdings auch nur ein Teilnehmerzertifikat, nicht aber einen Bachelor- oder Masterabschluss. Bei potentiellen Arbeitgebern kommen solche MOOC-Teilnahmen trotzdem gut an, weil sie die Eigenverantwortung für das freiwillige Lernen demonstrieren.

Wann ist ein Fernstudium anerkannt?

In Deutschland gilt grundsätzlich, dass alle Fernstudiengänge einer Zulassung bedürfen. Diese wird von der Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) vergeben. Es ist dabei auch völlig unerheblich, ob es sich dabei um einen Fernlehrgang akademischer oder nicht-akademischer Natur handelt. Wer einen solchen Fernkurs anbieten möchte, benötigt zunächst die staatliche Zulassung durch die ZFU.

Ob das gewünschte Studium staatlich anerkannt ist, können Studieninteressentinnen und -interessenten an einem Zulassungssiegel der ZFU erkennen. Hierauf ist auch die entsprechende Zulassungsnummer vermerkt. Befindet sich ein Fernlehrgang noch in der Prüfung, erhält dieser manchmal eine vorläufige Zulassung. Anbieter müssen deutlich kennzeichnen, dass es sich hierbei nur um eine vorläufige Zulassung durch die ZFU handelt.

Es gibt bestimmte Sonderformen, in denen die ZFU den Inhalt des Bildungsangebots nicht prüft. Das ist zum Beispiel bei Lehrgängen der Fall, die der Unterhaltung dienen oder unter ein Freizeitangebot fallen. Auch ergänzende Fernlehrgänge fallen unter bestimmten Voraussetzungen unter diese Sonderregelung. Akademische Studiengänge müssen in aller Regel jedoch vom ZFU geprüft werden.

Auf dem Arbeitsmarkt sind staatlich anerkannte Fernstudiengänge gerne gesehen, weil sie dem Arbeitgeber Selbstdisziplin und -motivation sowie Eigenverantwortung und die Fähigkeit für das Zeitmanagement vermitteln. Das gilt bei Fernkursen und Fernstudiengängen gleichermaßen. Auch wenn die Studierenden im Anschluss an das Studium nur ein hochschulinternes Teilnehmerzertifikat erhalten, macht dies trotzdem einen guten Eindruck bei potentiellen Arbeitgebern. Es zeigt, dass sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Eigenregie weiterbilden und die Absicht haben, ihr Wissen zu erweitern.

Wenn es den Studierenden anschließend um ein weiterführendes Hochschulstudium geht, wie zum Beispiel um einen Master, dann sollten die Studentinnen und Studenten jedoch auf staatlich anerkannte Fernstudiengänge achten, die mit einem akademischen Grad abschließen. Hochschulinterne Zertifikate sind nämlich nicht-akademisch und berechtigen deshalb nicht ohne Weiteres zum weiterführenden Studium – selbst dann nicht, wenn sie staatlich anerkannt sind.

Zugang und Abschluss

In der Regel müssen Studieninteressentinnen und -interessenten zunächst die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife vorweisen können, damit sie zum Fernstudium berechtigt sind. Es gibt hier allerdings Ausnahmen und so ist auch das Fernstudium ohne Abitur möglich, wenngleich es nicht der Regel entspricht. Für ein Masterfernstudium benötigen Studierende grundsätzlich ebenfalls ein Erststudium, doch auch hier kann die Berufserfahrung das unter Umständen ausgleichen.

Im Fernstudium können Studierende dieselben akademischen Grade erwerben wie auch an einer Präsenzhochschule. In erster Linie sind also der Bachelorabschluss und der Masterabschluss möglich. Auch ein Bachelor oder Master of Business Administration (BBA oder MBA) zählt zu den akademischen Abschlüssen einer Fernuniversität. Einige Fernhochschulen bieten zudem noch den Diplomabschluss an, der inzwischen jedoch auch an Präsenzhochschulen immer seltener zu finden ist.

Was viele nicht wissen ist, dass einige Fernhochschulen auch die Promotion ermöglichen. Das bietet sich besonders an, weil die Anwesenheit während der Erarbeitung des Doktortitels nicht zwingend notwendig ist. Wichtig ist hier nur, dass sich Absolventinnen und Absolventen die Fernhochschule genauestens ansehen, damit sie nicht Gefahr laufen, keinen echten Doktortitel zu erhalten. Ein seriöser Anbieter für die Promotion stellt beispielsweise die staatliche Fachhochschule Hagen dar.

Finanzierung eines Fernstudiums

Ein Fernstudium finanzieren die Studierenden häufig selbst, da viele von ihnen berufstätig sind und das Fernstudium in Teilzeit betreiben. Durch die Einnahmen lässt sich das Studium finanzieren. Wichtig ist, dass sich die angehenden Studentinnen und Studenten mit den Kosten der gewünschten Fernhochschule auseinandersetzen. Vor allem die privaten Fernuniversitäten sind deutlich teurer, was die alleinige Finanzierung durch das Einkommen erschwert.

Ist das der Fall, kann zum Beispiel das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) infrage kommen. Hierfür müssen Studierende aber zahlreiche Voraussetzungen erfüllen. Das Fernstudium muss beispielsweise ein akademisches Studium in Vollzeit darstellen. Gleichzeitig muss es sich dabei um das Erststudium des Studierenden handeln. Allein aus diesem Grund sind viele Berufstätige von der BAföG-Finanzierung ausgeschlossen. Es lohnt sich jedoch, wenn sich Studentinnen und Studenten mit den genauen Bestimmungen auseinanderzusetzen, da sie eine Ausnahme bilden können.

Herausragende Berufsschülerinnen und Berufsschüler können unter bestimmten Voraussetzungen Begabtenförderung erhalten. Hierfür müssen die Personen ihre Berufsabschlussprüfung mit einer Note von 1,9 oder besser abgeschlossen haben, einen der ersten drei Plätze in einem überregionalen Leistungswettbewerb gewonnen haben oder einen begründeten Vorschlag des Arbeitgebers einreichen können. Alternativ bietet es sich für Studierende an, ein Stipendium einer kirchlichen, sozialen oder wirtschaftlichen Einrichtung zu erhalten.

Wer keine der genannten Förderungsmöglichkeiten für sich in Anspruch nehmen kann, hat immer noch die Möglichkeit, einen staatlichen Bildungskredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder einen Studienkredit einer privatwirtschaftlichen Bank zu beanspruchen. Studierende sollten außerdem wissen, dass sich alle Studienkosten von der Steuer absetzen lassen.

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